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Nun also doch: das Wetter ist besser, und ich entschließe mich dazu, den Rauðkollur alleine hochzusprinten. Wollte ich mir nicht entgehen lassen, und für Gesa wäre es zuviel. Ich kann mich zunächst nicht entscheiden, welche Flanke ich hoch laufe, nehme dann aber die nördliche. Um dorthin zu kommen, muss ich allerdings etwas Sumpfland überqueren. Wäre einfacher gewesen, wenn ich gleich auf dem Kjalvegur geblieben wäre. Der Berg wird mit jedem Meter steiler, und als ich schon aus der Vegetationszone raus bin, vertreibe ich ein paar Schafe, die sich auf einem Messerscharfen Grat wieder sammeln. Es gibt zwei kleine Kletterstellen und das letzte Drittel nur Schotter. Es weht ein Mordswind, der hier oben noch stärker pfeift. Ausnahmsweise hab ich mal den mp3-Player im Ohr. Oben angekommen ist die Aussicht gigantisch, aber auch der Sturm. Ich kann mich kaum halten, geschweige denn die Kamera hochhalten. Ein Blick durch das Þjofadalir und über das Kjalfell zum Höfsjökull, Strýtur, Hveravellir, und vor allem und in riesiger Breite der Langjökull direkt unter einem. Ich mache ein 360°-Panorama, sehe mich ein wenig um und setze mich bequem und relativ windgeschützt in den Schotter. Ein paar Bonbons und ein paar Lieder. Gigantisch. Für den Abstieg entscheide ich mich für die südlichere Flanke. Wie sich zeigt, gibt es dort auch einen wesentlich gangbareren Weg. Und im ersten Teil des Abstiegs kann ich richtig schön springen und immer schön bei der Landung etwas rutschen. So, wie es richtig Spaß macht. Bergsurfing. Man kann bis auf die letzten Meter den ganzen Berg runter rennen, und so mache ich es denn auch. Ich danke meinem Schatz, dass er mir das ermöglicht hat. Als wir aufbrechen, kommt eine große Reitergruppe an uns vorbei. Talaufwärts an der Hütte halten wir kurz, um die Toilette zu nutzen, und bekommen von den letzten Bewohnern ein paar Riegel Schoki geschenkt. Sehr nett. Im Hüttenbuch steht leider immer noch nichts von K&K, wird auch nicht mehr kommen. Hinter der Hütte noch ein bisschen Pfad, und dann wandern wir den größten Teil über die Jeeppiste nach Hveravellir. Als wir Pause machen, hält plötzlich ein Wagen, und die Insassen winken uns zu: Es sind mal wieder die supernetten Isländer von der Þverbrekknamúli-Hütte. Die Straße wird danach so steil, dass kein normaler PKW sie nutzen könnte, geschweige denn der gewöhnliche deutsche SUV. Als wir schließlich von der Wetterstation nach Hveravellir absteigen, sehen wir K&K zwischen den heißen Quellen herumspringen. Supi, so verbringen wir das Ende des Urlaubs doch noch gemeinsam. Wie sich herausstellt, waren sie einen Tag vor uns da, sind die gleiche Strecke gewandert und haben sich aber schlicht nicht in die Gästebücher eingetragen. Wir bauen das Zelt auf und eilen erst einmal ins Kiosk, der wie immer gemessen an den zu hohen Erwartungen sowohl preislich wie inhaltlich eine Enttäuschung ist. Immerhin gibt es Skyr, Plätzchen, Knäcke und für Gesa noch ein Sandwich und Kaffee. Anschließend geht es gemeinsam in die schönste heiße Quelle Íslands. Ein Poolbecken, welches mit einem heißen und einem kalten Schlauch gespeist wird, irgendwas im 45° und heißer Bereich. Das Einsteigen ist sehr glitschig und somit etwas gefährlich. Und leider merken wir erst im Wasser, dass ganz viel Zeugs an unserem Silberschmuck ausfällt, und so verfärbt er sich erst von okergelb über grün zu lila. Hoch spannend. Für die Haut ist das Wasser phantastisch, man bekommt eine ganz weiche Babyhaut, und das nach drei Wochen Hochlandwandern. Ich bleibe so lange drin, wie ich Gesa überreden kann, mit mir im Wasser zu bleiben. War ein Fehler: Als wir aus dem Wasser gehen, hilft bei ihr nur noch Füße hochlegen, da der Kreislauf plötzlich übel absackt. Dann geht es aber wieder, und wir gehen unter die lauwarme Dusche. Zum Essen sind wir in K & Ks Apsis eingeladen. Gemeinsames Kochen, Futtern und Plaudern, macht riesig Spaß. Irgendwann zwischendrin klopft es ans Zelt: Stephan ist in Hveravellir eingetroffen, ist also doch zwei Etappen durchgelaufen, statt am nächsten Morgen zu hetzen. Er näht uns noch einen kleinen Knopf an die Backe. Wir tauschen den Werther gegen zwei Narnia-Bücher. Die letzte Nacht im Hochland. Das Einschlafen ist schon fast von Wehmut geprägt, auch wenn wir uns darin einig sind, dass drei Wochen absolut genug für einen Wanderurlaub sind.
Maps:
Iceland |
24.07.2008
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