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Die morgendliche Busfahrt um 6 h nach Reykjavík zeigte uns die Reykjanes-Halbinsel in all ihrer Garstigkeit. Weite, unzugängliche Lavafelder, relativ flach und abweisend. Ich versuchte, erste Eindrücke zu erhaschen, während Gesa weiterhin versuchte zu schlafen. Die Vororte Reykjavíks waren nicht weniger abweisend: Schmutzig-graue Beton-Wohnhäuser, die in dem nebligen Wetter noch abweisender aussahen. Man fragt sich, warum ausgerechnet hier nicht farbenfroher gebaut wird. Angekommen am BSÍ beeilte ich mich zunächst, zur angrenzenden Tankstelle zu kommen, um dort Spiritus zu kaufen: Leider gab es (immerhin) nur zwei Flaschen, drei hätte ich gerne gehabt, für jeden Reiseabschnitt einen. Nun gut. Außerdem hab ich noch den ersten Trockenfisch erstanden, der hier wesentlich günstiger war als am Flughafen. Am Günstigsten ist er allerdings samstags auf dem Reykjavíker Flohmarkt. Was also tun mit nur zwei Flaschen Spiritus? Ich entschloss mich, es darauf ankommen zu lassen, und bin in einer Dreiviertelstunde in meinen Wanderbotten durch Reykjavik gerannt, habe so schon den Stadtsee, das Theater, Teile des Laugavegur, der Hafenpromenade und die Hallgrímskirkja bewundern können. Nur hatten sie leider im 10-11 keinen Spiritus, und die anderen Tankstellen, die ich absprintete, waren leider alle geschlossen. Wenigsten hab ich im 10-11 noch ein paar leckere frische Frühstückssachen erstehen können: Skyr, Baguette, Croissants, Milch UND: Honig und Pesto :-) Zurück am BSÍ hab ich dann also die erste Spiritusflasche in den Rucksack getan und die Zweite in das Paket nach Landmannalaugar, in der Hoffnung, in Geysir noch Spiritus nachkaufen zu können, schließlich gibt es dort ein Hotel, eine Tankstelle und einen Campingplatz. Das Paket nach Landmannalaugar haben wir für 1000 ISK am Terminal aufgegeben, das Paket nach Geysir beim Busfahrer abgegeben, diese Art der Beförderung war sogar kostenlos, und man musste nur fragen. Irgendwie schienen mich plötzlich alle für einen Experten in ísländischen Busreisen zu halten, dauernd kamen irgendwelche Leute an und fragten mich etwas Bestimmtes. Mag daran liegen, dass die Bediensteten nicht die Kompetentesten sind; weiß ich zumindest von Konrad, der bei der Voraborganisation telephonisch mehrfach im Kreis geschickt wurde. Also ab in den (falschen, weil am Seljalandsfoss Pause machenden) Bus und geschlafen, bis Hveragerði konnte ich mich noch wach halten, dann war es auch bei mir vorbei. Immerhin bin ich pünktlich zur Überquerung der Markarfljót wieder wach gewesen. Die Pause am Seljalandsfoss war recht beeindruckend, ein Wasserfall, hinter dem man hergehen kann, tief hängender Nebel und eine frierende Gesa, die sich Gedanken darüber macht, was das wohl für ein Urlaub wird, wenn sie jetzt schon friert. Ein anstrengender, ja, aber gefroren hat die Süße höchst selten :-) Treffen um 11:40 h mit Katrin und Konrad, die schon Gewehr bei Fuß stehen, während wir unsere Sachen noch einmal ordentlich verstauen, Austauschen erster Erlebnis- und Erfahrungsberichte, Wassersäcke gefüllt, und dann geht’s endlich los. Zunächst über eine Treppe, bis man oberhalb des Skógafoss steht. Hab mir gespart, Bilder zu machen, da Konrad das wohl schon am Abend zuvor erledigt hat. Anschließend wandert man schön stetig bergauf, insgesamt 900 Höhenmeter, und passiert da einen Wasserfall nach dem anderen, einer schöner als der andere, und die meisten schöner als der Endwasserfall in Skógar. Zwischendrin mal eine kleine Klippe mit anschließendem ausgesetzten Tritt am Hang, wo ich Gesa, die noch recht unerfahren mit Rucksack, Bergwandern und Stöcken ist, ausnahmsweise mal den Rucksack abnehme. Wir überwinden die Klippe und stellen weiter oben fest, dass man sie auch hätte umgehen können. Na ja. Meinerseits gerate ich auch einmal in Schwierigkeiten, als ich „der landschaftlichen Schönheit zuliebe“ auch nicht den offensichtlich einfachen Weg gehe und mich am Hang für den falschen Weg entscheide. Dann stehe ich plötzlich da, kann mit meinem Rucksack weder vor noch zurück und drohe, ganz übel abzurutschen. Klammere mich an nicht wirklich vertrauenswürdige Wurzeln und schaffe es schweiß- und adrenalingebadet irgendwie rüberzukommen. Puh. An der Brücke über die Skógar, wo man auf die Piste trifft, machen wir eine nette Rast und genießen, schon über den Wolken zu sein und Blick auf die Gletscher sowie den Fimmvörðuháls zu haben. Nun sind es noch etwa vier Kilometer, und nach kurzer Zeit kann man unsere Hütte schon sehen. Ich unterschätze die Entfernung in der klaren Luft, während Gesa die Strapazen der vergangenen 40 Stunden zu spüren bekommt und nach und nach auf dem Zahnfleisch geht. Und wie es dann so ist, kommt und kommt die Hütte nicht näher. Irgendwie schaffen wir es und erreichen Hand in Hand die Hütte, an der Konrad und Katrin bereits Zeltplätze ausgemacht haben. Schwieriger, steiniger Untergrund, aber nicht unmöglich. Insgesamt etwa vier vertretbare Zeltplätze, von denen die Nacht drei belegt sind: ein Österreicher-Pärchen, welches den Laugavegur im selben Rhythmus wie wir abläuft, baut später noch das Zelt neben uns auf. Wir bauen auch wie üblich zunächst das Zelt auf, in das sich Gesa erst einmal verkriecht, während ich mit Konrad und Katrin aus dem Schneefeld Wasser hole und mit dem Kochen beginne. Es ist wunderschön dort oben, aber auch recht frisch, und so zittert Gesa in bemerkenswerten Amplituden, als ich sie schließlich zum Essen aus dem Zelt hole. Völlig erschöpft, die Arme. Mit Tee, Nudeln und Pudding wird sie wieder ein bisschen hochgepäppelt, schläft dann die Nacht trotzdem wie ein Stein. Und wider allen Erwartungen wachen wir am nächsten Morgen auf Ísland, 900 m Höhe, zwischen zwei Gletschern, im eigenen Saft auf.
Maps:
Iceland |
06.07.2008
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