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Das Wetter ist beim Aufstehen zwar noch durchwachsen, aber viel versprechend, und wir haben auch kein Interesse daran, noch einen weiteren Tag im Zelt zu verbringen. Trotz unserer Bemühungen verpassen wir leider unseren Bus um fünf Minuten, zumindest glauben wir das. Und so stehen wir schon wieder an der Straße und versuchen uns mit Anhalter. Diesmal hält nach vielleicht zehn Minuten sogar ein Auto an. Unglaublich aber wahr: Es ist nicht eins dieser riesigen, um nicht zu sagen überdimensionierten Geländewagen mit viel Platz, nein, ein Kleinwagen, bereits voll gepackt mit drei Leuten und Gepäck hält neben uns. Es wird eine logistische Meisterleistung, uns in das Auto zu verfrachten (mein Rucksack kommt auf meinen Schoß, wenn man das denn so nennen will), und wir fahren die wirklich holprige Kjölur, die an einigen Stellen zudem erstgangwürdig steil ist, entlang. Unglaublich nett, zumal da wir auch noch dreckige Schuhe haben. Und das Auto auch nur geborgt ist. Hier bewahrheitet sich mal wieder das alte Gleichnis der Bibel, wonach Leute, die wenig haben, auch am bereitwilligsten geben. Wir sind jedenfalls froh, die Kilometer über die Piste nicht laufen zu müssen, und lassen uns am Abzweig zur Hvítarnes-Hütte rausschmeißen. Nach ein paar Metern geht nochmal ein Schauer über uns hinweg, und nach vielleicht drei von den sechs Kilometern machen wir hinter einem Stein eine kurze Müsliriegelpause. Es gibt ein wenig Sprühregen. Da die Wolken sehr tief hängen, kann man nicht richtig gut peilen. Wir entschließen uns, querfeldein auf die Hütte zuzugehen, mit dem Nachteil, dass ich einen großen Stein für die Hütte gehalten habe. Da nach Kartenlage die Richtung stimmt, entschließen wir uns trotzdem, so weiter zu laufen, und nicht zur Straße zurückzukehren, und schon bald darauf taucht die Hütte auf. Die dreihundert Meter über die Wiese vor der Hütte werden nochmal lästig, da die Wiese sehr feucht ist und wir keine Gamaschen haben, d.h. die Schuhe werden sehr nass. Die Hütte selbst ist endlich einmal so gut ausgestattet, wie man es sich wünscht, und ohne Warden: Als wir in die Küche gehen, finden wir diverse Nahrungsmittel vor: Käse, Wurst, Brot etc, vor allem aber FRISCHE MANDARINEN, auf die sich Gesa direkt draufstürzt. Ich mache Tee, und wir einigen uns darauf, einige Müsliriegel als Ersatz für die Mandarinen dazulassen. Als der Tee fertig ist, bekommen wir Besuch: Zwei Däninen, von denen die Eine sogar etwas deutsch spricht, und Stephan, ein Einzelreisender WiWi mit Nallo und auf der Suche nach Anschluss. Er erzählt sehr viel, hat eine weiche Stimme, ist ein bisschen einsam, ist auf jeden Fall nett, aber auf Dauer nicht zu ertragen. Von ihm kommt aber die Idee, sich mal selbst Outdoor Brot zu backen. Die Mädels sind zwar recht gut mit Klamotten ausgestattet, haben aber ein Zelt, das völlig íslanduntauglich ist, irgendein Iglu auf einer Interrailtour in Polen erworben. Zuerst muss man das Innenzelt mit den Glasfiberstangen aufbauen. Lord. Schon die erste Nacht soll das Zelt kaum überstehen. Wir essen derweil auch aufwändig Mittag, Reis mit den restlichen Trockenpilzen. Wir nutzen die vorhandenen Gasvorräte und hinterlassen einen Obolus an der Hütte. Im Gegensatz zu Stephan und den Mädels wollen wir den Tag aber noch weiter laufen: Wir haben erst sechs Kilometer, den Tag davor sind wir gar nicht gelaufen, außerdem wollen wir uns einen Tag in Reykjavík sichern. Und zu guter letzt ist es nicht die beste Aussicht, den Abend mit Stephan verbringen zu müssen. Nebenbei bemerkt, wir finden im Hüttenbuch keinen Eintrag von K&K. Auch in den weiteren Hütten nicht. Liegt daran, dass sie sich einfach nicht eingetragen haben, die Nasen. Vor uns liegen zwölf Kilometer. Am Ende des Hvítávatn gibt es kurze Orientierungsschwierigkeiten, die sich aber durch die wirklich großen Steinmänner ausräumen lassen. Ab dort wandert man durch wie mit dem Rechen gezogene Rinnen (=Reitwege), und das soll zwei Tage so weiter gehen. Diese Wege werden auch von Pferden genutzt, und diese tragen das Erdreich noch mehr ab als unsereiner. Unterwegs machen wir noch eine kurze Pause und genießen die Aussicht auf den schon wieder hochdramatischen Himmel. Zur Hütte geht es über eine durchsichtige Brücke, über die ich Gesa doch drüber lotsen kann. Die Hütte unterhalb des wolkenverhangenen Hrútfell liegt recht geschützt, ist relativ klein aber sehr gepflegt. Wir nutzen auch am Abend die Infrastruktur und machen uns Nudeln, von denen Gesa leider kaum etwas essen kann, weil mir etwas viel Pfeffer in die Sauce gerät. Wir treffen auf einen Wanderer, den wir schon am BSÍ-Terminal in Reykjavík gesehen hatten. Und auf zwei Ísländer, die jeder Beschreibung spotten. Sehr nett, recht korpulent, er Reiseführer, sie keine Ahnung, reisen im Sommer immer durch Ísland und machen lange Wander- und Klettertouren. Man sieht es ihnen überhaupt nicht an, und sie ernähren sich auch reichlich ungesund. Aber super nett. Ansonsten schlafen die meisten in der Hütte schon um 22 h. Wie wir am nächsten Tag erfahren, lag das daran, dass sie mittags den Bus an der Kjölur bekommen wollten und somit noch 20 km vor sich hatten und deswegen auch sehr früh aufstehen mussten. Davon haben wir im Zelt mal eben nichts mitbekommen.
Maps:
Iceland |
22.07.2008
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