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Als wir aufwachen, stellt sich die Welt wesentlich weniger abweisend dar als noch am Tag zuvor. Es stürmt nicht mehr, und die Sonne scheint. Zwar sind wir uns bewusst, dass wir 6-8 km querfeldein laufen müssen, bis wir auf Wasser treffen werden, wir haben aber noch genug und sind recht zuversichtlich. Die Sicht ist phantastisch, und ein kurzer Abgleich mit Karte und Kompass versichert uns darin, dass wir unser heutiges Ziel fast schon sehen können: wir müssen einfach den ganzen Tag auf die Kerbe zwischen Geldingafell und Bláfell zuhalten, und wenn wir auf die Kjölur treffen, sind wir nahezu da. Dann können wir entscheiden, ob wir noch etwas weiter laufen oder uns dort an den nächstbesten Wasserlauf pflanzen. Als wir unsere Sachen gepackt haben, wird es über uns immer diesiger, zunächst in Schlieren, später immer dichter: von Westen zieht schlechtes Wetter auf. Die Kondensation findet aber (noch) in beträchtlichen Höhen statt, so dass wir uns keine Sorgen wegen der Sicht machen müssen. Der Untergrund lässt sich viel besser als erwartet laufen. Mal ist es Lavakies, mal sind es größere Lavabrocken, fast immer ist es eben, der Boden gibt Halt und lässt die Füße auch nicht so wegknicken wie noch hinter Áfangagil. Dennoch legen wir nach etwa zwei Kilometern eine Pause ein. Wenn ich eins über Gesas Konstitution gelernt habe diesen Urlaub, dann dies, dass die Pause nach dem Loslaufen recht zeitig kommen muss. Ich tendiere ja eher dazu, mit leerem Magen zwei Drittel des Weges durchzumarschieren. Für Gesa kommt das schon aufgrund ihrer Konstitution schlicht nicht in Frage, und diese kurze Pause nach vielleicht einer Dreiviertelstunde bis Stunde des Weges sorgt schlicht dafür, dass sie die Wanderung viel besser durchsteht. Mittlerweile ist die Sonne aber schon hinter einem einheitlichen grau verschwunden. Beim Weiterwandern queren wir einige ausgetrocknete Bachtäler und werden doch etwas nervöser, was den Wassernachschub anbelangt. Wir werden schließlich auf der gesamten Tageswanderung nur einen Wasser führenden Bach kreuzen. Irgendwann bei zwei Dritteln machen wir dann auch auf meinen Wunsch hinter einem Felsbrocken eine schöne, längere Pause, aber da die Sonne weg ist und der Wind ordentlich pfeift, ist es auch ziemlich kalt. Wir sind immerhin auf etwa 700 m, und so ziehe ich mir für die Pause die Regenhose an. Quasi die einzige Investition für diesen Urlaub, mit der ich wirklich zufrieden bin. Wir kommen noch an einem Speicher(?) vorbei und treffen auf die Kjölur, die wir anhand der Sand aufschleudernden Autos schon seit vielen Kilometern im Blick hatten. Außerdem sind wir nun direkt unterhalb des Bláfell, und da dieser so hoch ist, bestätigt sich auch meine unterwegs aufgestellt These, dass er bestimmt Wasserabflüsse hat, worauf wir ja besonders angewiesen sind. Ein Blick auf die Karte, das Wetter und ein Konstitutionscheck sagt uns, in der Gegend was zu suchen und am nächsten Tag die sechs Kilometer auf der Kjölur den Bus zu nehmen. War die richtige Entscheidung, denn als wir einen genehmen Zeltplatz gefunden haben, fängt es auch schon langsam an zu tröpfeln, und von Südwesten schieben sich dunkle Regenwände heran. Wir können unser Zelt noch in Ruhe beziehen, doch der Regen wird stärker. Es wird nun mit nur unwesentlichen Unterbrechungen 38 Stunden heftigst Durchpladdern. Gut, dass ich mich mit Gesa geeinigt hatte, jetzt ohnehin noch einen Pausetag einzulegen. Zwar haben wir die Hvítávatn-Hütte nicht erreicht, aber verhungern müssen wir auch so nicht. Und so werden hier u. a. die letzten Bärenland-Chili nieder gemacht.
Maps:
Iceland |
20.07.2008
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