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Als wir heute aus dem Zelt kriechen, haben K&K schon vollständig gepackt. Wir diskutieren über die weitere Route und stellen fest, dass wir uns für ähnliche Wege entschieden haben, bloß dass Gesa und ich nicht ab Geysir loslaufen wollen, sondern zunächst mit dem Anhalter bis Sandá, und dann Richtung Hagavatn, wohingegen K&K direkt dorthin laufen wollen. Wir geben ihnen noch etwas Parmaggio, Kinderriegel und etwas von der Sauerkirsch-Chili, und dann marschieren sie los, wohingegen wir uns entscheiden, uns viel Zeit zu lassen und erst einmal zu entspannen. Und so gehen wir zunächst in den Hot Pot des Hotels, was sehr empfehlenswert ist. Dafür sind die Duschen ziemlich bescheiden, es kommt kaum Wasser raus. Und wir müssen ein paarmal zwischen Herren- und Frauendusche hin und hertingeln, um Shampoo und Kur auszutauschen. Es folgt ein äußerst üppiges und teures Frühstück mit Brötchen und Trinkskyr. Richtiger Skyr ist nicht da und trifft dann auch erst am Nachmittag ein; vorher wir uns weigern, loszulaufen. Die letzten Karten werden geschrieben und eingeworfen, ein paar Sachen gewaschen und getrocknet und, ganz wichtig, die Schuhe endlich nachgewachst. Mein neues Four-Seasons-Tank wird und wird nicht trocken, auch nicht am Körper, und so versuche ich es damit, über das Tank das Quark zu ziehen, und siehe da, nach relativ kurzer Zeit ist es sogar trocken. Wir gucken uns das Geothermalfeld von Geysir an; um diese Uhrzeit ist es natürlich richtig voll, wir haben also unseren „Heimvorteil“ der dortigen Übernachtung überhaupt nicht genutzt. Macht aber auch nichts, ist auch so schön beeindruckend. Wir packen fertig und stellen uns, Finger raus, an die Straße, wobei ich meinen Rucksack absetze und mich daneben setze, da mein unrasiertes, schwarz gekleidetes Äußeres sowie der Riesen-Rucksack eher abschreckend auch auf wohlmeinende Fahrer wirkt. Wir haben Glück und werden recht bald von einem netten älteren Ehepaar, die schon seit über zehn Jahren nicht mehr dort waren, mit nach Gullfoss genommen. Dort haben wir dann allerdings Pech. Zum einen fährt kaum ein Auto diesen Abend über die Kjölur, zum anderen sind die meisten Autos vollbesetzt oder zu klein, oder sie wollen uns einfach nicht mitnehmen. Nach einer Dreiviertelstunde Rumstehen entschließen wir uns, einfach loszulaufen, da man in dem kalten Wind auch recht schnell auskühlt, und es unterwegs weiter mit Anhalter zu probieren. Nachteil ist natürlich, dass es bis zu unserem Abzweig zehn Kilometer über Asphalt sind. Nach etwa einem Kilometer hält noch ein älterer BMW besetzt mit zwei hippen Mädels, die uns wohl mitgenommen hätten, wenn ich sie dazu überredet hätte, aber leider schalte ich zu langsam, und sie wollten auch bloß bis Gullfoss. Wir stacksen also auf und neben der Straße, die Sonne senkt sich, und wir haben eine atemberaubende Aussicht auf den Langjökull, der wie alles heute Abend in sanftgoldenes Abendlicht getaucht ist. Wir unterqueren unsere altbekannte Stromleitung und machen bald darauf eine kurze Müsliriegelpause. Trotz des Asphalts kommen wir gut voran. Am Abzweig kurz hinter der Sandábrücke müssen wir uns schließlich entscheiden: Bald zelten und über die Kjölur weiterlaufen, oder zur Hagavatn-Hütte und dann einen Tag querfeldein, und diesen Abend definitiv noch mindestens fünf weitere Kilometer (es ist bereits kurz vor zehn). Wir entscheiden uns für letzteres und werden es auch nicht bereuen. Nach einem Kilometer queren wir einen Bach, der mich darauf hoffen lässt, dass auch die anderen eingezeichneten potentiell ausgetrockneten Bachläufe Wasser führen. Zügig laufen wir über die Piste, und unsere Schatten werden richtig lang, während die Sonne die Wolken in immer lächerlicheren Farben anmalt. Der nächste Bach, den wir erreichen, ist ausgetrocknet, und so sieht es auch mit den weiteren aus. Zwar liegt der Sandvatn in etwa zwei Kilometer Entfernung unter uns, verdursten müssen wir also nicht, aber es findet sich kein Wasser mehr am Weg. Als wir unsere maximale Weglänge erreicht haben, sind wir hinreichend geschafft. Außerdem ist es jetzt etwa Mitternacht, und bis zum nächsten sicheren Bach sind es etwa sechs Kilometer. Wir entschließen uns dazu, auf dem Kies zu zelten und mit unseren hinreichenden Wasserreserven zu leben. Das bedeutet halt, sich mit dem Waschen extrem einzuschränken, aber zum Kochen und Trinken reicht es. Auf K&K sind wir hier nicht mehr getroffen, obwohl ich damit gerechnet hätte, sie hier noch irgendwo zu sehen. Es ist knapp über null und recht stürmisch, aber atemberaubend schön. Die Sonne taucht die Wolken in gold und tiefrosa, und neben der Hekla geht der Vollmond auf. Kitsch pur. Um Spiritus zu sparen, gibt es Globetrotter-Fertigfutter.
Maps:
Iceland |
18.07.2008
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