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Während K&K direkt zum Gullfoss laufen wollen, um dann an der Hvítá entlanglaufend irgendwann wieder auf den Túngufellweg zu stoßen, haben wir eine andere Variante vor: Rucksäcke verstecken, unbelastet zum Gullfoss laufen, Photostopp, wieder zurück und dann auf der Piste weiter. K&K sind etwa eine Stunde vor uns weg. Wir haben offensichtlich etwas versetzte Rhythmen. Am Gullfoss leistet eine Reitergruppe Gesellschaft, ansonsten ist das Touri-Gros auf der anderen, mit Bussen zu erreichenden Seite, während es bei uns recht friedlich ist. Wir naschen vor dem richtigen Loslaufen noch etwas und packen uns auch gleich in die Regensachen: Einer der lokalen Schauer, die wir gestern noch aus der Ferne beobachtet haben, hängt nun über uns. Es regnet zwar nicht viel, hindert aber doch ein klein wenig. Wir stapfen vier, fünf Kilometer die Straße runter Richtung Hvítá-Brücke, als kurz hinter dem Túngufellhof ein SUV neben uns anhält. Sie fragen, ob wir vielleicht Hilfe bräuchten. Na ja, eigentlich nicht, aber wenn sie schon so fragen... könnten sie uns vielleicht zur Hvítá-Brücke bringen? Die Ísländer denken sich wohl, hätten sie mal nur nicht gefragt, anders ist die mangelnde Gesprächsbereitschaft und überhaupt Mimik der beiden nicht zu deuten. Egal, sie erfüllen den von uns gewünschten Zweck, wir bedanken uns artig, und weg sind sie. Ca. 3 km Regen gespart, und das Beste, auf dieser Seite der Hvítá regnet es nicht mehr. Wir machen eine Pause, und Gesa nutzt die Gelegenheit, zu Hause anzurufen und ihrer Mutter zum Geburtstag zu gratulieren. Ich freue mich über die vielen SMS, die ich gestern, da ich keinen Handy-Empfang hatte, zum Geburtstag bekommen habe. Ab jetzt geht es über härteren Untergrund, mal Gruß, mal Asphalt, was nach einer Weile unangenehm wird. Von den Asphaltwanderungen an diesem und am kommenden Tag wird sich meine Achillessehne für den Rest der Wanderung nicht mehr erholen und immer mal wieder moppern. Dennoch bleibe ich medikamentenfrei. Nach einer Weile kommen wir an ein in die Straße eingelassenes Kuhgitter (die Gesa nur mit äußerster Vorsicht sich am Geländer festhaltend überqueren kann: Angst vor durchsichtigen Tritten), und dahinter steht eine Kuh auf der Straße und versperrt einem einzelnen Auto den Weg und lässt sich durch nichts beunruhigen. Von dieser Szene ermutigt beginne ich, „Das Lied vom Tod“ vor mich hinzupfeifen. Das findet die Kuh noch interessanter als das Auto anzuglotzen und räumt die Straße. Schön für das Auto. Noch schöner für mich: Kurz darauf ist mir die komplette Herde auf den Fersen, vielleicht 25 Kühe, die das Pfeifen unheimlich geil finden. Eine davon schlabbert meinen Hanwag ab. Und so laufen sie vor mir, neben mir, hinter mir und kriegen sich kaum ein. Muh. Am nächsten Viehgatter müssen sie dann aber doch einsehen, dass sie mir nicht weiter folgen können. Dafür ist die Straße aber erst einmal gründlich versperrt. Gesa und ich brechen in schallendes Gelächter aus, als das nächste Auto auftaucht. Bald darauf sehen wir Geysir und haben noch vier Kilometer vor uns. Kann auch frustrierend sein, sein Ziel ständig vor Augen zu haben und das Gefühl zu haben, nicht wirklich voran zu kommen. Kurz bevor wir auf die Kjölur-Route treffen, wollen wir die Spitzkehre, die für uns auf unserer Straße nötig wäre, abkürzen und nehmen einen vermeintlich direkten Feldweg. Pustekuchen, ganz am Ende, also direkt vor der Kjölur, liegt ein unüberwindlicher Entwässerungsgraben und ein Zaun im Weg. Also zurück? Nein, wir laufen den Acker runter und finden eine Stelle, an der der Graben recht bequem zu übersteigen ist. Mit dem Zaun ist das nicht ganz so einfach: Mit Rucksack kann ich nicht rüber steigen, und Kraft, um ihn rüber zu heben, hab ich auch nicht. Ich muss ihn tatsächlich schmeißen, was mir echt weh tut. Dann klettere ich rüber, nehme Gesas Rucksack entgegen und helfe ihr. Noch 600 m, und wir sind da. Gesa sinkt erschöpft auf der Bank zusammen, während ich mich um die Bezahlung für den Zeltplatz kümmere und versuche, etwas über den Verbleib unseres Futterpaketes herauszufinden. Im Geysircenter treffen wir auf K&K, die heute den größten Teil der Strecke per Anhalter gefahren sind und demzufolge schon ein paar Stunden da sind und die Zeit für Regeneration und Karten schreiben genutzt haben. Wir essen erst einmal etwas, bauen das Zelt auf und essen richtig (Paket hatten K&K schon abgeholt). Wichtig: In Geysir konnte man weder Spiritus noch Gas nachkaufen. Muss ich nicht verstehen. Man kann auch sonst kein für Wanderer sinnvolles Essen nachkaufen. Keine Müsliriegel, kein Müsli, keine Kekse etc. Wir hatten auf die Option, Brot nachzukaufen, gesetzt und nehmen nun stattdessen knapp 15 Minibrötchen mit. Ab Geysir wandern K&K sowie Gesa und ich jetzt getrennt. Bei der gegebenen Planung hätte zwar die Möglichkeit bestanden, sich noch zu treffen, wir verpassen uns aber um vielleicht zwei Stunden und sehen uns somit bis zum Zielort nicht wieder.
Maps:
Iceland |
17.07.2008
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