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Diesen Morgen hat es endlich, endlich aufgehört zu regnen. Wir stehen extra ein wenig früher auf, um die Verabredung am Háifoss auch einzuhalten. Ganz viele Schafe stehen um die Hütte herum und sehen unter anderem in Gesas Rucksack nach, ob es da Futter gibt. Sehr typisch ist eine Schafs-Dreier-Gruppe bestehend aus Mutter und zwei Lämmern, die mit den Schwänzen wackelnd rechts und links daneben stehen und saugen. Zunächst haben wir etwa fünf Kilometer querfeldein die Ebene zu überqueren, was bei den jetzigen Witterungsbedingungen orientierungstechnisch keine Schwierigkeit darstellt. Kompass hin, Kompass her, eigentlich muss man nur direkt auf das weithin sichtbare Kraftwerk zulaufen, vielleicht ganz minimal rechts davon. Mein Kompass hatte mich ein wenig weiter nach Westen geleitet, so dass wir vielleicht maximal einen Kilometer extra auf dem Untergrund gelaufen sind. Der Untergrund ist denn auch die eigentliche Herausforderung: Zwar überqueren wir eine Ebene, die bei entsprechender Witterung bestimmt so gar keinen Spaß macht, allerdings ist die Ebene mit kleinen, spitzen Lavasteinen übersäht, die man nicht wirklich umgehen kann, d.h. man muss ständig ausgleichen und gegensteuern und knickt ein wenig weg. Für mich kein wirkliches Problem, aber Gesas Fuß fängt nach Landmannalaugar erstmalig an, wieder ernsthaft zu moppern. Hinzu kommt, dass wir zu Beginn ein sehr hohes Tempo angeschlagen haben (inklusive Schafszaunüberquerung), was nun keinesfalls zu halten ist. Ich versuche als Wegfinder, die gröberen Steine zu umgehen und es Gesa dadurch ein wenig leichter zu machen. Ein Umweg über die Straße, die wir kreuzen, kommt auch nicht in Frage, da das geschätzte drei Kilometer Umweg sind (ohne GPS kann man auf dieser weiten Ebene eben nur schätzen, wo man sich befindet). Wir machen eine kurze Pause an der Straße, die mir auch beim Reorientieren hilft, und nehmen dann die letzten anderthalb Kilometer in Angriff. An der asphaltierten(!) Straße angekommen machen wir unmittelbar eine ordentliche Pause, u. a. mit zu Hause anrufen. Gesa erreicht das erste Mal ihre Mutter, und ich rufe auch erstmalig zu Hause an. Und natürlich gleich die Frage, ob ich am Folgetag erreichbar sei. Na ja, sicher nicht, und selbst wenn, werde ich meine Akkuladung für Notfälle aufsparen und nicht den ganzen Tag das Telephon anhaben, inklusive Rucksack ab und so... Wir queren einen der mächtigsten Flüsse Islands, die Þjórsá. Umso erstaunlicher, dass die Brückenkonstruktion recht läppisch ist: ein bisschen Beton, ein bisschen Holz, ganz so gemacht, als müsste man sie ohnehin alle fünf Jahre neu bauen, da lohnt sich ein größeres Bauwerk nicht. Wir sehen talab eine Hütte (Hólakogur) und treffen auf den Linuvegur, der uns die kommenden beiden Tage begleiten soll. Es geht ein wenig bergan, und Gesa verlangt es nach einer weiteren kurzen Pause. Gewährt. Man kann schon von weitem die Abbruchkante der Fossá-Schlucht sehen, und irgendwann steuern wir querfeldein darauf zu. Etwa ein bis anderthalb Kilometer. Das hätten wir uns sparen können, da vom Linuvegur ein kurzer Weg zum Parkplatz am Háifoss führt. Etwas unterhalb des Háifoss treffen wir um 14:30 h ein, anderthalb Stunden vor der verabredeten Zeit, und versuchen, uns in eine windstille Nische zu quetschen. Es stürmt extrem, ich kann mich beim Photos machen kaum auf den Beinen halten und muss aufpassen, nicht in die falsche Richtung (=die Schlucht hinunter) gedrückt zu werden. Wir heitern uns die durch den Sturm aufkommenden Kältegefühle mit Tee, Suppe und flammenden Herzen auf. Bei einem zweiten Rundgang sehe ich schließlich K&K von weitem auf uns zukommen. Kurzes Hallo, kurze Pause, und weiter geht’s, wieder recht zügig. Gesas Fuß hat sich Gott sei Dank erholt. Nach recht kurzer Zeit müssen wir die Fossá queren, was sich als wesentlich weniger schwierig als befürchtet herausstellt. Nun sind wir wirklich in der Einsamkeit, zumindest verglichen mit zuvor. Eine handvoll Autos am Tag. Wir laufen weitere vier Kilometer, bis wir rechts des Weges ein ansprechendes Flusstal finden, in dem wir zu zelten gedenken. Ein Missverständnis zwischen Konrad und mir führt dazu, dass wir an recht unterschiedlichen Stellen das Zelt aufbauen. Mich dünkt, wir stehen besser, da geschützter und direkt am Wasser. Es gibt Reis, Baby, und Thunfisch. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut. Katrin kommt abends noch einmal vorbei, um sich nach unserem Wohlbefinden zu erkundigen. Um halb elf fallen wir in einen komaartigen Schlaf.
Maps:
Iceland |
15.07.2008
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