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Kontrastreich

Was antwortet man nach einem Island-Urlaub auf die Frage: „Wie war's denn?“ Wir sagen: kontrastreich! Alles fängt an mit einer Landung bei Reykjavík gegen Mitternacht, anfang Juli. Zuerst reisen wir zu einer Gletscherlagune in der hellblaue Eisklötze schwimmen und den Hintergrund seltsam rötlich erscheinen lassen. Ein erstes Mal bauen wir unser Zelt in der einer beinahe lebensfeindlichen Welt aus Eis auf – und treffen am nächsten Morgen fast auf mehr Leben, als uns lieb ist, denn die Skua sind gar nicht so begeistert von uns und fliegen schon die ein oder andere Attacke. Den nächsten Abend verbringen wir an einem von Islands schönsten Wasserfällen und stapfen dann durch Nebel und viel Island-Moos hinauf bis über die Wolken.

Der Pass führt durch die Mitte zwischen zwei Gletschern – und doch soll unter der enormen Eiskappe einer von Island aktivsten Vulkanen liegen. Bald queren wir die ersten Schneefelder und gleichzeitig strahlt die Sonne vom Himmel. Eine nicht ganz einfache Gratwanderung führt uns in eine Landschaft, die aussieht wie eine große Kleckerburg.

Noch schnell eine sündhaft teure Dusche auf dem Campingplatz und weiter geht's in Richtung Aschewüste. Noch tagelang sollen uns die schwarzen Lavakrümel im Zelt begleiten. Auch in der Lavawüste werden wir von der Sonne begleitet, so dass man wirklich das Gefühl hat in der Wüste zu sein – kurz bevor man seine Wanderschuhe gegen Sandalen austauscht und in den eisigen Fluss hinabsteigt, der eisige Grüße vom Gletscher mit sich führt.

Am nächsten Abend aber baden wir im See, der dank seiner maximalen Wassertiefe von 50 cm wohlig warm ist. Nach einem weiteren Aufstieg blicken wir zurück auf weiße Eiskuppen und auf den blauen See. Hinter uns liegt ein schwarzes Land aus Asche und vor uns ein buntes Land aus gelblich-roten Rhyolithbergen das nur an einzelnen Stellen von Lava unterbrochen wird, die aussieht wie „Zahnpasta wenn man sie aus der Tube quetscht“. Dampfende Schwefeltöpfe erfreuen uns einerseits durch die bunten Verfärbungen des Gesteins und verärgern uns andererseits durch ihren Gestank nach faulen Eiern. Am einen Abend gibts noch Katzenwäsche mit dem MuFu-Zeltlappen und am Nächsten sitzen wir stundenlang im Wasser, dort wo heiße und kalte Quellen zusammenfließen.

Das nächste Wasser das wir sehen kommt aus den Wolken und fliegt uns horizontal ins Gesicht. Und zwar drei Tage lang. Blind stapfen wir die Jeeppiste entlang und zwingen auch mal ein Auto zum Anhalten – da die Kapuze bis über die Augen reicht und uns blind macht, und der Wind in der Regenjacke knattert und uns taub macht – bis der Fahrer des Wagens schließlich hupt. Gastfreundliche isländische Wanderreiter stellen uns ihre Essensreste zur Verfügung – Lammkeule und Backkartoffeln sind im Nu im Bauch verschwunden.

Der LinuvegurStromleitungsweg – führt uns zum Gullfoss – dem goldenen Wasserfall – doch trotzdem ist der Nachmittag mangels Trinkwasser eine Durststrecke. Am nächsten Tag sollen wir wieder eingeregnet werden, retten uns aber per Anhalter zum nächsten heißen Bad. Gleich nebenan spuckt der Geysik Strokkur alle 7 Minuten sein kochend heißes Wasser in die Luft. Und wieder blubbert und sprudelt es überall aus der Erde. Unser Weg vom Geothermalfeld führt uns kurz durch Heide und Wollgras – liebevoll Fusselblume getauft – dann aber stundenlang durch Geröllwüste damit wir schließlich unser Zelt direkt am Gletschersee aufschlagen können. Dann wieder Geröllwüste. Dann wieder Gletscherzunge auf der anderen Seite eines Sees. Dann wieder Regen. Diesmal vertikal. Ein bisschen wie Schottland. Auch die Windböen am nächsten Tag passen in das Bild.

Schließlich erreichen wir wieder einen heißen Pool. Auf unserem abschließenden Spaziergang werden wir fast vom Berg gepustet und werfen einen Blick in einen Vulkankrater. In der Tat sieht es um uns herum so manches mal aus, als würde sich die Erde auftun. Oder als hätte sie es gestern erst getan. Noch ein atemberaubender Sonnenaufgang und wir verabschieden uns mit dem geländetauglichen Bus über die Hochlandpiste. Aus der Ruhe des Hochlandes kehren wir zurück ins belebte Reykjavík, schlagen uns den Bauch voll und testen die ein oder andere Spezialität: einen halben Schafskopf, Hákarl (der so stinkt, dass es unmöglich erscheint ihn zu essen) und Lammschinken.

Dank 9 Stunden Verspätung unseres Fliegers sind wir auch auf der Rückreise um Mitternacht zu Hause. Alles was bleibt, sind kontrastreiche Erinnerungen und ein Topf mit Pferdegoulasch.